Ein vollständiger Überblick über die wirtschaftlichen Auswirkungen von Produkt- und Markenpiraterie

Nach der Veröffentlichung zweier großer Studien zum Beitrag schutzrechtsintensiver Wirtschaftszweige zur Wirtschaftsleistung und Beschäftigung und zu der Frage, wie die Bürger der Europäischen Union geistiges Eigentum wahrnehmen, tritt die Bedeutung des geistigen Eigentums für unsere Gesellschaften immer klarer zutage. Mit der zunehmenden Bedeutung des geistigen Eigentums und der Rechte an diesem Eigentum in der modernen Wirtschaft bieten sich auch mehr Möglichkeiten für diesbezügliche Verletzungen und nimmt der potenzielle Schaden für die Wirtschaft zu. Als Beobachtungsstelle wollen wir ein vollständiges Bild dieses Phänomens zeichnen, indem wir die wirtschaftlichen Folgen von Produkt- und Markenpiraterie in verschiedenen Branchen und geografischen Gebieten bewerten.

 

Gemeinsame EUIPO/OECD-Berichte

In Zusammenarbeit mit der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) hat die Beobachtungsstelle zwei Studien erstellt.

   

Der Studie „Handel mit nachgeahmten und unerlaubt hergestellten Waren: Bestandsaufnahme der wirtschaftlichen Folgen" liegen Daten der Weltzollorganisation, der Generaldirektion Steuern und Zollunion der Europäischen Kommission und der Zoll- und Grenzschutzbehörde der Vereinigten Staaten zugrunde, anhand derer ein genaues Bild der globalen wirtschaftlichen Folgen nachgeahmter und unerlaubt hergestellter Waren im internationalen Handel erstellt wurde. Diese gemeinsame Studie stützt sich auf Daten aus fast einer halben Million Zollbeschlagnahmen weltweit im Zeitraum 2011-2013.

Ein Bericht über Verletzungen von geschützten geografischen Angaben für Wein, Spirituosen, Agrarerzeugnisse und Lebensmittel in der Europäischen Union ergänzt den gemeinsamen EUIPO/OECD-Bericht. Hauptziel dieser Studie ist es, die Größe und den Wert des EU-Markts für Produkte mit geografischen Angaben sowie den Anteil zu bewerten, den Produkte, die in der EU geschützte geografische Angaben verletzen, an diesem Markt haben. Zudem wurden Schätzungen über die Auswirkungen dieser Verletzungen auf Verbraucher in der EU angestellt. Dabei wurden die Verluste auf bis zu 2,3 Mrd. EUR beziffert.

 

Die Folgen von Produkt- und Markenpiraterie: Branchenspezifische Studien

 

Methodik

Das Phänomen der Marken- und Produktpiraterie stellt von seinem Wesen her eine enorme Herausforderung für eine zuverlässige Quantifizierung dar, da es naturgemäß schwierig ist, Daten für eine im Verborgenen ausgeführte Tätigkeit zu erheben. In der Vergangenheit litten viele Versuche einer Quantifizierung des Ausmaßes von Fälschungen und ihrer Folgen für die Gesellschaft als Ganzes unter einer fehlenden auf Konsens beruhenden und in sich schlüssigen Methodik für die Sammlung und Analyse von Daten über mehrere Wirtschaftszweige hinweg. Um diese Herausforderungen bewältigen und dabei methodische Zwänge vollumfänglich berücksichtigen zu können, hat die Beobachtungsstelle einen spezifischen Ansatz entwickelt, der auf alle Wirtschaftszweige angewendet wird.

Abweichungen zwischen Umsatzprognosen und tatsächlichen Umsätzen je Wirtschaftszweig werden für jedes Land der Europäischen Union analysiert. Die eingesetzten statistischen Techniken beziehen wirtschaftliche und soziale Faktoren ein, sodass die Forscher sowohl die Höhe des Umsatzes, der Inhabern von Rechten des geistigen Eigentums durch Fälschungen verloren geht, als auch die Beschäftigungsverluste für den betroffenen Wirtschaftszweig schätzen können.