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Juni 07, 2021 Nachrichten

Portal für vergriffene Werke geht online


„Vergessene Geschichten können wieder zu unserer gemeinsamen Geschichte werden“

Das Amt der Europäischen Union für geistiges Eigentum (EUIPO) hat heute das neue Portal für vergriffene Werke freigeschaltet. Vergriffene Werke sind Bücher, Filme oder visuelle Werke, die noch dem Urheberrechtsschutz unterliegen, aber nicht mehr im Handel erhältlich sind oder es nie waren.

Die Sammlungen europäischer Bibliotheken, Archive, Museen und anderer Einrichtungen des Kulturerbes bergen Millionen vergriffener Werke. Sie sind für die Forschung oder Bildung nach wie vor sehr wertvoll oder bieten einfach gute Unterhaltung.

Seit vielen Jahren unterstützt Europa Initiativen, mit denen der Online-Zugang zum reichhaltigen kulturellen Erbe Europas durch moderne digitale Techniken verbessert werden soll. Massendigitalisierungsprojekte von Einrichtungen des Kulturerbes scheitern jedoch häufig an rechtlichen Schwierigkeiten, da vorab die Genehmigung jedes einzelnen Rechteinhabers eingeholt werden muss (Freigabe der Urheberrechte).

Um die Einrichtungen des Kulturerbes bei der Erfüllung ihres Auftrags im Dienste der europäischen Kultur zu unterstützen, wurde mit der Richtlinie (EU) 2019/7901 eine Rechtsgrundlage geschaffen, die ihnen die Digitalisierung und grenzüberschreitende Verbreitung vergriffener Werke erleichtert.

Demnach müssen Informationen über vergriffene Werke in einem öffentlichen zentralen Online-Portal erfasst werden, mit dessen Einrichtung und Verwaltung das EUIPO betraut wurde.

Dieses Portal, das heute freigeschaltet wird, ist die wichtigste Informationsmaßnahme im Zuge dieser Neuregelung. Das Portal bietet in erster Linie Zugang zu Informationen über laufende und künftige Nutzungen vergriffener Werke und erleichtert Rechteinhabern die Ausübung ihrer Rechte an diesen Werken. Die Regelung wird die bereits bestehenden Maßnahmen für die Nutzung verwaister Werke auf europäischer Ebene ergänzen (siehe insbesondere die Datenbank zu verwaisten Werken).

In ganz Europa digitalisieren Einrichtungen des Kulturerbes zunehmend ihre Sammlungen und machen sie online zugänglich. Dabei hat sich jedoch gezeigt, dass Sammlungen aus Werken des 20. Jahrhunderts in viel geringerem Umfang online verfügbar sind als Sammlungen aus Zeiträumen vor oder nach dem 20. Jahrhundert. Dieser Effekt wurde bisweilen mit dem Ausdruck „Schwarzes Loch des 20. Jahrhunderts“2 beschrieben.

Die Neuregelung für vergriffene Werke erschließt in ganz Europa ein großes Potenzial zur Digitalisierung und öffentlichen Verbreitung vergriffener Werke, die in den Sammlungen von Einrichtungen des Kulturerbes schlummern, sodass vergessene Geschichten wieder zu unserer gemeinsamen Geschichte werden können.

Weitere Informationen finden Sie auf der Webseite für vergriffene Werke.

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(1) Richtlinie (EU) 2019/790 des Europäischen Parlaments und des Rates vom 17. April 2019 über das Urheberrecht und die verwandten Schutzrechte im digitalen Binnenmarkt und zur Änderung der Richtlinien 96/9/EG und 2001/29/EG.